Mindestlöhne vernichten keine Arbeitsplätze

Ein Mindestlohn führt zwangsläufig zu Beschäftigungsverlusten, so die Meinung vieler Arbeitgeberverbände. Das stimmt nicht, belegt eine US-Studie.
Der Zusammenhang zwischen Mindestlöhnen und Beschäftigungsentwicklung sei längst nicht so klar, schreibt das Handelsblatt – und berichtet über eine Untersuchung des Arbeitsmarkt-Forschungszentrums der US-Eliteuniversität Berkeley, nach der höhere Mindestlöhne in den letzten 16 Jahren keine Arbeitsplätze vernichtet haben.

Keine negativen Beschäftigungseffekte entdeckt
Das Fazit der Studien-Autoren: "Wir finden keine negativen Beschäftigungseffekte." Die Forscher stellten demnach fest: Höhere Mindestlöhne haben die politisch gewünschten Folgen – die Arbeitgeber kamen nicht um höhere Löhne herum.

Jedoch hätten die Arbeitgeber auf die höheren Lohnkosten nicht mit Entlassungen reagiert, was sich im Fachjargon so lese: "Unsere Schätzergebnisse für die lokalen Beschäftigungseffekte sind nicht unterscheidbar von null."

Andere Arbeitsmarktfaktoren würden die Effekte des Mindestlohns auf die Beschäftigungsentwicklung der untersuchten Regionen überstrahlen.

Länger und genauer hingeschaut
Die Studie sei ein Meilenstein, so renommierte Arbeitsmarktforscher: Niemand zuvor habe die Wirkung von Mindestlöhnen so detailliert und gründlich untersucht wie das dreiköpfige Forscherteam aus Berkeley.

Beobachtungszeitraum sei 1990 bis 2006 – eine enorm lange Zeitspanne im Gegensatz zu vielen ähnlichen Fallstudien.

Ähnliche Regionen miteinander verglichen
Außerdem betrachteten die Forscher laut Handelsblatt die Beschäftigungsentwicklung auf der Ebene einzelner Landkreise ("Counties").

Sie hätten nur Counties miteinander verglichen, die direkte Nachbarn sind, aber in unterschiedlichen Bundesstaaten mit unterschiedlich hohen Mindestlöhnen liegen.

Die Differenzen bei den Mindestlöhnen in diesen Regionen seien enorm: Sie klafften um sieben bis 20 Prozent auseinander.

Dieses Vorgehen der Forscher habe den Vorteil, dass ähnliche Regionen besser untersucht werden könnten.

Die meisten Mindestlohn-Studien seien regional stark begrenzt. Die Berkeley-Forscher hätten dagegen Daten regionaler Arbeitsmärkte in den gesamten USA sammeln können.

Zu den Mindestlöhnen
In den USA gilt laut Handelsblatt bereits seit 1938 ein landesweiter Mindestlohn. Er liege derzeit bei 7,25 Euro pro Stunde. 32 Bundesstaaten schrieben sogar höhere Mindestlöhne vor.

In Deutschland gebe es dagegen keinen Mindestlohn, sondern Vorschriften für einzelne Branchen. Eine Wäscherei in Ostdeutschland müsse ihren Mitarbeitern beispielsweise mindestens 6,50 Euro pro Stunde zahlen, ein Baubetrieb in Westdeutschland 12,95 Euro.
Quelle: http://www.mittelstanddirekt.de/c178/m187/um220/d6899/default.html