Soziale Dienstleistungen - Hoch motiviert, schlecht bezahlt

Über vier Millionen meist weibliche Beschäftigte arbeiten in sozialen Berufen.Was sie verbindet, ist nicht nur der Dienst am Menschen. Hinzu kommt hohe Motivation trotz hoher Belastungen und Unzufriedenheit mit der Bezahlung.

Stress und körperliche Anstrengung sind in der Kranken- und Altenpflege sowie der Kindererziehung an der Tagesordnung. Dass die Beschäftigten diese Belastungen trotz vergleichsweise bescheidener Bezahlung auf sich nehmen, liegt an ihrer hohen persönlichen Motivation. Angesichts aktueller Personalengpässe und weiter steigender Nachfrage, besonders im Pflegesektor, besteht aber dringender Handlungsbedarf. Man werde „junge Menschen langfristig nur mit steigenden Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen dazu motivieren können, einen entsprechenden Beruf zu erlernen“, urteilen Robert Helmrich vom Bundesinstitut für Berufsbildung und sein Team. Die Wissenschaftler haben im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung eine Reihe von Statistiken und Befragungen ausgewertet, um die Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation sowie die Arbeitsbedingungen in Pflege und Erziehung zu dokumentieren. Die wichtigsten Befunde:

Beschäftigt sind in diesen Berufen vor allem Frauen. Die Teilzeitquote ist hoch.

Ein hohes Arbeitspensum, psychische Belastungen sowie permanente körperliche Mühen mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen sind die Regel. Heben und Tragen, Arbeiten im Stehen, in gebückter, hockender oder kniender Stellung führen zu Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Die Folge sind überdurchschnittlich hohe Krankenstände – obwohl Erzieherinnen und Pflegerinnen häufiger als andere Beschäftigte auch an Tagen zur Arbeit kommen, an denen sie besser zu Hause geblieben wären, um eine Krankheit auszukurieren. Speziell bei der Arbeit von Erzieherinnen kommt eine weitere extreme Belastung hinzu: Lärm.

Charakteristisch für die sozialen Dienstleistungen ist, dass die Beschäftigten häufig verschiedene Arbeiten oder Vorgänge gleichzeitig im Auge behalten müssen; Störungen und Unterbrechungen sind eher der Normalfall als die Ausnahme. Auch das stresst.

Termin- und Leistungsdruck sind ausgeprägt. Jeder Dritte fühlt sich durch die Arbeitsmenge überfordert; unter den Erwerbstätigen insgesamt trifft dies nur auf jeden Fünften zu.

Der Wunsch, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, ist sehr weit verbreitet.

Für Kranken- und Altenpflegerinnen gilt: Im Vergleich zu anderen Berufen ist der Anteil der Routinetätigkeiten hoch. Erzieherinnen, deren Job zu einem überdurchschnittlichen Teil aus Wissensarbeit besteht, haben dagegen mehr Abwechslung. Entsprechend sind Letztere mit „Art und Inhalt ihrer Tätigkeit“ häufiger sehr zufrieden als Pflegefachkräfte.

Der Weiterbildungsbedarf der Beschäftigten ist in allen drei Berufen sehr ausgeprägt.

Pflegefachkräfte und Erzieherinnen sind „deutlich weniger zufrieden mit dem Einkommen“ als die Beschäftigten im Durchschnitt.

Bereits ab 2020 werden in den Pflegeberufen nicht mehr genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, erwarten die Forscher. Für Entlastung könnte neben attraktiveren Arbeitsbedingungen die Zuwanderung sorgen.

Quellen

Robert Helmrich u.a.: Attraktivität und Zukunftsaussichten in den Berufsfeldern Pflege und Erziehung (pdf), Working Paper Forschungsförderung Nr. 11, April 2016
http://www.boeckler.de/65589_65610.htm